Naturereignisse führen vermehrt zu Schäden an Gebäuden
Extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hagel und Sturmwind, treten immer häufiger und intensiver auf – der Schutz vor Naturgefahren wird immer wichtiger.

Gut geschützt in Zeiten des Klimawandels
Der Klimawandel bringt vermehrt extreme Wetterereignisse mit sich – etwa intensive Regenfälle, heftiger Hagel und Sturmwinde. Gleichzeitig führt die anhaltende Bautätigkeit zu einer zunehmenden Verdichtung in Siedlungsräumen, insbesondere in exponierten Lagen wie Hängen oder engen Quartieren. Dadurch steigt die Anfälligkeit für Schäden durch Naturereignisse deutlich. Die Kombination aus klimatischen Veränderungen und baulicher Verdichtung erhöht das Risiko für Gebäude und Infrastrukturen massiv. Umso dringlicher ist es, wirksame Schutzmassnahmen gegen Wasser, Hagel, Sturmwind und weitere Naturgefahren zu ergreifen.
Naturgefahren
Starkregen
Oberflächenabfluss entsteht, wenn Regenwasser – besonders bei Starkniederschlägen – nicht versickert, sondern unkontrolliert abfliesst. Gefährdet sind dicht bebaute Gebiete, verursacht durch versiegelte Flächen und steile Hänge. Erhöhungen, Abflusskorridore, Regenwasserspeicher sowie gezielte Geländemodellierung und -gestaltung helfen, den Abfluss zu verzögern und gezielt abzuleiten. Eine vorausschauende Planung trägt entscheidend dazu bei, Schäden an Gebäuden und Infrastruktur deutlich zu verringern.
Hagel
Hagel kann erhebliche Schäden an Gebäuden verursachen. Mit geeigneten Präventionsmassnahmen wie widerstandsfähigen Materialien, Schutznetzen oder Frühwarnsystemen lassen sich Risiken deutlich minimieren. Wir empfehlen den Einsatz von Bauprodukten mit hohem Hagelwiderstand (mindestens HW3) sowie generell von robusten oder geprüften Materialien. Eine höhere Widerstandsklasse, idealerweise ab HW4, wird nach Möglichkeit gewünscht. Eine rechtzeitige Vorbereitung schützt Werte, spart Kosten und trägt wesentlich zur Schadensvermeidung sowie zur Erhöhung der Sicherheit bei.
Sturmwind und Schnee
Sturmwind und Schnee zählen zu den wetterbedingten Naturgefahren, die unabhängig vom Standort auftreten können. Um Schäden zu vermeiden, sollten bei Bauvorhaben die anerkannten Regeln der Baukunde konsequent berücksichtigt werden. Dazu gehören etwa stabile Dachkonstruktionen, gut verankerte Bauteile und sichere Fassadenlösungen, die den auftretenden Belastungen zuverlässig standhalten. Verbindliche Grundlage bilden die SIA-Normen, welche Anforderungen zur Auslegung und Dimensionierung von Gebäudeteilen bei Sturmwind, Schnee und anderen klimatischen Einwirkungen definieren.
Hochwasser, Erdrutsch und Steinschlag
Naturgefahren wie Hochwasser, Murgänge, Erdrutsche, Lawinen, Stein- und Blockschlag oder Felsstürze sind standortgebunden, da ihr Auftreten stark von der Geländeform beeinflusst wird. Durch vorausschauende Planung, eine sorgfältige Standortwahl sowie bauliche Schutzmassnahmen – etwa Stützmauern, Rückhaltebecken, eine standortspezifisch angepasste Geländegestaltung oder Bauweise – lässt sich das Risiko deutlich reduzieren. Dabei sind die geltenden Baunormen, insbesondere die relevanten SIA-Normen, zu berücksichtigen, da sie wichtige Vorgaben zur Planung, Ausführung und Sicherheit in gefährdeten Lagen enthalten.
So schützen Sie Ihr Gebäude wirksam vor Hagelschäden
Bauliche Massnahmen
- Oberlichter sichern
Schutzgitter über empfindlichen Flächen können Schäden deutlich reduzieren. - Solar- und Photovoltaikanlagen schützen
Verwenden Sie hagelresistentes Schutzglas – idealerweise mit mindestens HW3. - Gefährdete Bauteile gezielt schützen
Besonders exponierte Bereiche sollten zusätzlich verstärkt werden. - Vorausschauend planen
Bereits bei Bau oder Sanierung Schutzmassnahmen einbeziehen. - Hagelschutz einfach automatisch
- Oberlichter sichern
Materialwahl & Hagelwiderstand
- Auf Hagelwiderstand achten
Materialien werden in Klassen HW1 bis HW5 eingeteilt (1–5 cm Hagelkorndurchmesser). - Empfehlung beachten
Im Kanton Luzern sollte mindestens HW3 erreicht werden. - Geeignete Materialien wählen
Für Dach und Fassade konsequent robuste Materialien einsetzen. - Qualität bei sensiblen Bereichen
Oberlichter und Solaranlagen mit widerstandsfähigem Glas oder langlebigen Materialien ausstatten. - Hagelregister
- Auf Hagelwiderstand achten
Wartung & Instandhaltung
- Dach regelmässig kontrollieren
Flächen, Anschlüsse und Entwässerung prüfen und instand halten. - Abläufe freihalten
Saubere Dach- und Terrassenabläufe verhindern zusätzliche Wasserschäden. - Leitungen überprüfen
Auch Schächte und Einläufe ausserhalb des Gebäudes sauber halten. - Alternde Materialien ersetzen
Kunststoffe verlieren mit der Zeit an Widerstandskraft und sollten rechtzeitig ausgetauscht werden.
- Dach regelmässig kontrollieren
Verhalten bei Unwetter
- Sonnenstoren einziehen
Sie bieten keinen Schutz und können bei Hagel beschädigt werden. - Lamellenstoren und Rollläden hochziehen
Fenster sind stabiler als die Beschattungssysteme. - Fenster und Türen schliessen
So verhindern Sie das Eindringen von Wasser und Hagel. - Nach dem Sturm handeln
Entfernen Sie umgehend Hagel und Laub aus verstopften Abläufen, um Folgeschäden zu vermeiden. - Storen einziehen
- Sonnenstoren einziehen
Hagelbeschuss im Prüflabor
Die Videos zeigen Tests im Prüflabor, bei denen Metallbleche, Dachziegel und transparente Kunststoffe wie Polymethylmethacrylat (PMMA) realitätsnahem Hagelbeschuss ausgesetzt werden, um ihre Widerstandsfähigkeit sowie mögliche Schäden, Bruch- und Verformungsverhalten zu untersuchen.
Metallblech
Dachziegel
Kunststoff wie Polymethylmethacrylat (PMMA)
Wetter-Alarm
Wetter-Alarm liefert aktuelle Wetteraussichten für die ganze Welt und warnt kostenlos vor Unwettern in der Schweiz und Liechtenstein inkl. hochauflösender Panoramabilder von Webcams. Die Wetter-Alarm App ist eine kostenlose Dienstleistung von Kantonalen Gebäudeversicherungen und ist für iOS und Android verfügbar.

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Markus Wigger
Leiter Naturgefahren

Renate Egli
Fachexpertin Naturgefahren

Tony Gisler
Fachexperte Naturgefahren